Raum-Lichtinstallation 2007: Großformatige Wolkenskulpturen und Bühnenleinwand werden gemainsam medial bespielt. Szenenfläche ca. 50m x 20m

 

 

 

 

 

Eventdekoration ist Kapitulation vor der Raumplanung

 

Eventarchitektur und Raumplanung gelten zunehmend als die Kernkompetenz im zeitgemäßen Eventmanagement. Auf der Suche nach einer kurzen, prägnanten Definitionsformel des Begriffs „Eventarchitektur“ gibt auch das Internet noch nicht allzu viel Erklärungshilfen. Oft wird Eventarchitektur nur in Verbindung mit Messebau beschrieben, schlimmer noch, mit Eventdekoration gleichgesetzt. Nichts gegen Dekoration, ersetzt diese aber den Architekten, ist dies die Kapitulation vor der Raumplanung.

 

Warum?

Dekoration beschäftigt sich im Gegensatz zur Architektur mit Gestaltung von Oberflächen und ist im klassischen Sinne nicht raumbildend. Bei der Betrachtung von Eventgestaltungen fällt auf, dass gewählte Veranstaltungsthemen oft nur dekorativ umgesetzt werden. Auf den vorhandenen Raum und wie sich die Gäste darin bewegen sollen, wird dabei nicht eingegangen. Doch wie kann das sein, wenn Eventplaner ein Großteil ihres Planungsaufwandes darauf verwenden die richtige Location zu finden?

 

Eine Antwort kann in der doppelten Aufgabe einer Eventlocation liegen, nämlich die richtige Lage zu besitzen und das Raumkonzept vorzugeben. Eine weitere Antwort kann darin zu finden sein, dass nur die wenigsten Eventplaner bisher die Unterstützung eines Eventarchitekten in Anspruch nehmen.

 

Eventarchitektur geht planerisch auf den jeweiligen Raum ein und steuert den bewussten Umgang mit dem Unbewussten, die subjektive Wahrnehmung des Einzelnen. Der Eventarchitekt plant Bewegungsflächen, Ruhezonen, Platzgestaltung, Wegeführung.

 

Gäste wollen unbewusst durch die Räume geführt werden. Wo gegangen werden soll, muss ein Weg ersichtlich sein, wo sich Menschen entspannt aufhalten sollen, muss die räumliche Situation die Menschen auffangen und räumliche Geschlossenheit (Schutz) bieten.

 

Der Mensch tickt in seinem Verhalten immer noch nach evolutionären Grund-Mustern, die ihm Überleben und Wohlbefinden sichern. Um sich sicher und wohl zu fühlen, ist eine gute Orientierung unerlässlich: Die Fragen, „Wo bin ich?“, „Wie komme ich dahin, wohin ich möchte?“, dürfen bei den Gästen nie bewusst aufkommen. Die „Disney-Themenparks“ setzen dies dadurch um, dass in jedem Themengebiet das „Cinderella Schloss“ als höchstes Gebäude immer sichtbar bleibt und so allen Besuchern die Orientierung im Park ermöglicht und damit das subjektiv gute Gefühl von Sicherheit bietet.

 

Unser Bauchgefühl speichert diese Sinneswahrnehmungen als positive Erinnerung und dieses wird nicht erst nach dem Event aktiv, sondern bereits in dem Augenblick, in dem das Ereignis zum Erlebnis für unser Bewusstsein wird.

 

Ein räumlich strukturiert geplanter Aufbau leitet also die Gäste mit unsichtbarer Hand. Wie finden die Gäste automatisch das Highlight des Abends? Gibt es Rotationszentren, um die sich räumlich alles dreht? So bleibt die Veranstaltung im Fluss mit dem Raum.

Schon die alten Feng-Shui Meister wussten: der Raum fließt. Wände, Einbauten, Öffnungen lenken den Raumfluss, machen ihn schnell, verlangsamen ihn, geben ihm Richtung und lassen ihn erstarren. Wir kennen alle den Effekt zweier gegenüberliegender Türöffnungen in einem Raum und des gefühlten Durchzugs, der uns das Sitzen in der Zone unangenehm macht.

 

Feng Shui als wissenschaftliche, nicht esoterische Lehre, wie auch die westliche Lehre der Architektur beschäftigen sich mit Raum und seine Wirkung auf den Menschen. Die Findung des energetischsten Punkt eines Raumes ist nur ein Aspekt davon. Diesen gilt es aber zu finden, um ein Event optimal planen zu können und um die Atmosphäre des Raums zu verdichten und das Event nachhaltig positiv erlebbar zu gestalten.

Architektur und Dekoration haben unterschiedliche Ansätze in der Arbeitsweise. Während Dekoration additiv Dinge hinzufügt, um Hässliches abzudecken, wird in der Raumplanung die Charakteristik eines Raumes herausgearbeitet. Vorhandene architektonische Besonderheiten werden in die Konzeption der Eventaufbauten integriert. Bestehender Bau und temporäre Einbauten beeinflussen sich gegenseitig.

 

Ein gelungenes Beispiel ist ein Event, das in einer Industriebrache, in der unsanierten Naxosunion-Halle in Frankfurt stattfand. Bei diesem Event wurde die Linienführung des Innenraumes Teil der Gesamtgestaltung. Der raumplanerische Entwurf des Veranstaltungsaufbaus ordnete sich in das Konstrukt einer typischen Renaissance-Perspektive. Alle Fluchtlinien wurden in einen Punkt geführt und so die Dynamik, die Dramaturgie des vorhandenen Raumes gesteigert. In der gewollten Gegensätzlichkeit der Materialität und Oberfläche zwischen vorhandener Halle und messebaulichen Aufbauten, entstand auf der einen Seite eine räumliche Inszenierung zwischen alter Bausubstanz und neuen Einbauten, auf der anderen Seite entstand eine formale Integration durch die räumliche Anpassung an die Fluchtliniencharakteristik der Halle.

 

Eventarchitektur hat also neben der raumplanerischen Aufgabe durchaus eine gestalterische Aufgabe, nämlich einen Raum zu inszenieren, eine Raumdramaturgie zu entwerfen. Zusätzliche Dekoration ist ausdrücklich erlaubt.