Interview mit Norbert Fischbach zum Thema Briefing, Konzeption von Produkteinführungen:
 

Welche Vorgaben und Hilfestellungen kann ein Kunde geben, wenn es darum geht die Vorstellung einer Weltpremiere zu planen?
 

Als wir vom Kunden den Auftrag zur Erstellung einer Konzeption bekamen, gab es noch kein verwertbares Briefing. Dies ist durchaus nachvollziehbar. Zum Beginn einer Konzeption befindet sich auch das zu präsentierende Produkt oft noch in der Planung. Das bedeutet, es kann noch zu gravierenden Änderungen kommen. Oft haben die Projektleiter auf Kundenseite das zu zeigende Produkt noch nicht „live“ gesehen, es gibt auch noch kein Produktmarketing, auf das man zurückgreifen könnte.
 

Wie gehen Sie eine solche Planung an?


Als ersten Schritt planen wir mit dem Kunden die wichtigsten Ziele und Rahmenbedingungen durch, also

  • Wer wird eingeladen
  • Wieviele Personen werden erwartet
  • Wo ist das Event geplant
  • Wann soll das Event stattfinden
  • Welche Ziele möchte der Kunde erreichen
  • Was ist die Erwartungshaltung der eingeladenen Klientel
  • Gibt es weitere Kommunikations-Maßnahmen die verknüpft werden können
  • Gibt es logistische Zwänge, die zu beachten sind u.s.w.
     

Frage: Sie erarbeiten sich Ihr Briefing?


Oft! Die berühmten „W-Fragen“ sind nach wie vor von Wichtigkeit. Oft fehlt es auch an Dokumentationen früherer Events, auch Managementwechsel auf Kundenseite führen dazu, dass ein verantwortlicher Projektleiter nicht auf frühere Erfahrungen zurückgreifen kann. Wir versuchen uns dann gemeinsam mit dem Kunden der Konzeption anzunähern.
 

Frage: Ein Beispiel?

 

Zum Beispiel gehen wir gemeinsam in die Design- und Entwicklungsabteilung des Kunden und sprechen direkt mit den Ingenieuren und Designern, die die Konzeptstudie erstellen, die dann ihre Weltpremiere auf unserem Event haben soll. Konzeptstudie ist übrigens ein schöner Begriff. Auch wir müssen erst das Fahrzeugkonzept studieren, bevor wir den richtigen Kommunikationsansatz finden können.
 

Frage: Sind solche „Heilige Hallen“ nicht tabu für Außenstehende?

 

Eigentlich schon, da herrscht höchste Sicherheitsstufe. Aber wird bezeichnen uns in diesem Augenblick nicht als Außenstehende sondern als Involvierte, nur so können wir etwas über die Ideen der Entwickler erfahren,

  • Welche Emotion, sie mit dem Konzept verbinden
  • Welche Menschen, ein solches Produkt einmal nutzen sollen
  • Welchen Designanspruch hat das Konzept
  • Was ist die Lösung hinter der Idee, u.s.w.

Es gibt viele tolle Lösungs- und Umsetzungsideen, grade bei den Konzeptstudien, die sich oft erst auf den zweiten Blick oder in der Benutzung zeigen. Nur über Fotos erschließt sich dies nicht. 

Frage: Wie können Sie diese Informationen verwerten?

 

Wir nutzen intensiv die innovativen Gestaltungs- und Ausführungsdetails des Produkts bei der Eventkommunikation. Hat ein Produkt beispielshaft eine neuartige, innovative Beleuchtung mit LED, können wir diesen Ansatz nutzen, die Raumbeleuchtung ebenfalls mittels LED in Szene zu setzen. Wir überhöhen und maximieren um die Qualität des neuen Produkts zu unterstreichen.
 

Ein zweites Beispiel: Ein Produkt bekommt ein völlig neues Oberflächendesign mit einer einzigartigen Profilierung. Wir greifen das Profil auf und setzen es als gestalterisches Mittel in der Raumgestaltung ein.
 

Frage: Verstehe, als ob das Produkt eine Spur auf dem Boden hinterlassen hat.

 

Einfach ausgedrückt ja, allerdings versuchen wir subtilere Wege zu gehen. Es ist der zweite Blick, der einem die Details eröffnet.
 

Wir erhöhen die Kraft des „zweiten Blicks“, durch gezielte, intelligente Interpretation. Zum Beispiel eine vergrößerte Version eines Profils als Druck auf einem Vorhang oder als wandfüllende, fließende Projektion.
 

Frage: Jetzt sind wir schon mitten im Konzept?

 

Ja genau, das Produkt ist das Konzept, ist das Konzept, ist das Konzept. Wir als Agentur interpretieren, setzen in Szene, unterstützen und kommunizieren. Besonders motivierend ist dabei für uns, dass wir gemeinsam mit den Kunden das Fundament der „Produktkommunikation“ entwickeln können. Es gilt die Konzernaussage, die Markenkommunikation zu gestalten.
 

Frage: Sie durften Wochen vor der Weltpremiere zur IAA mit dem Weltpremieren-Fahrzeug im Studio Filmaufnahmen machen, wie haben Sie das geschafft?

 

Um ehrlich zu sein, dazu gehören viele Anstrengungen, eine überzeugende Idee und viel Glück. Wir hatten das Glück, dass der Wagen für das Pressemappen Shooting im Studio stand und wir zwei zusätzliche Studiotage abringen konnten. Dementsprechend erschließt sich, dass wir ein filmorientiertes Konzept verfolgten.
 

Frage: Es gab einen Einladungsfilm

 

Ein Viral, einfach in der Ausführung, preiswert in der Produktion aber mit viel Witz und frischen Ideen. Besonders gefreut hat uns, dass unser Kunde uns eine leicht selbstironische Geschichte aus der Sicht zweier eingeladenen Journalisten erzählen ließ.
 

Frage: Wie war die Resonanz?

 

Wir waren selbst gespannt. Es würde Lob regnen - oder Kritik hageln. Beides ist möglich. Die Veranstaltung ist punktgenau choreografiert, alle Details sind aufeinander abgestimmt. Doch das Konzept ist gewagt. Kein klassischer Eröffnungsfilm, sondern eine zweiteilige Dramaturgie, die eine zunächst fiktive Handlung ins wirkliche Leben transportiert und dort live in Echtzeit zu Ende führt. Wir fragten uns, wird die Idee zünden? Werden die Leute verstehen, was wir damit wollen?

 

+++ Randnotiz: Geschichten werden von Menschen erzählt. Nicht von Spezialeffekten. Deshalb haben wir den ersten Teil bewusst einfach gestaltet und das Spiel der beiden Hauptpersonen für sich wirken lassen. Auch die magische „Kleiderschau“ der Protagonistin wurde nicht als Morphing-Effekt animiert, sondern in klassischer Trickfilmtechnik realisiert. Aufwendiger zwar, aber dem Anlass und dem Antara angemessen. +++